Zielort 4 “Universität Lausanne“ Vertiefungsstudium Analyse politique de la gouvernance publique

Wie ich letzte Woche versprochen habe, geht es heute um die Vertiefungsrichtung Analyse politique de la gouvernance publique. Um euch einen Überblick über das von der Universität Lausanne angebotene Programm zu geben habe ich Jasmin Aregger getroffen. Jasmin ist die einzige Kollegin aus dem Grundstudium in Bern, die diese Vertiefung gewählt hat. Das Interview habe ich während der Zugfahrt nach Lausanne geführt und Jasmin war gespannt auf meine Fragen.

Als erstes fragte ich sie nach den Gründen für ihre Ortswahl.

Ein Vertiefungsstudium im Tessin kam für mich nie in Frage, weil es einfach zu weit weg ist. Ich wohne in Fribourg mit meinem Freund und arbeite in Bern. Mein Lebensmittelpunkt ist hier. Da kann ich nicht einfach für ein halbes Jahr weg. Grundsätzlich finde ich es aber gut, dass das PMP Studium einen grossen Wert auf Austauscherfahrungen legt.

Als nun geklärt war, weshalb ihre Wahl auf Lausanne gefallen war, galt meine zweite Frage den Gründen für die Wahl des Vertiefungsstudiums Analyse politique de la gouvernance publique.

Es war „Liebe auf den zweiten Blick“. Nein im Ernst, ich habe das Ausschlussverfahren angewendet. Die Vertiefungen in Recht sowie Public Finance and Economics interessierten mich von Anfang an eher weniger. Dann wollte ich lange die Vertiefung Gestion et Evaluation machen (sie wurde letzte Woche an dieser Stelle präsentiert). Bei dieser Vertiefung störte mich jedoch, dass mir einige der Fächer doch sehr bekannt vorkamen noch vom ersten Jahr. Wiederholungen wollte ich aber so gut wie möglich vermeiden. Man hat ja nur 30 ECTS zur Verfügung!

In Analyse politique de la gouvernance publique hörten sich die Pflichtvorlesungen im Beschrieb sehr vielversprechend an. Jetzt kombiniere ich diese Vorlesungen mit Vorlesung aus Gestion et Evaluation, wo ich beinahe alle meine cours à option absolviere (12 Ects).

Bereits aus dem Interview von letzter Woche wurde ersichtlich, dass sich die Organisation und Art und Weise der Vorlesungen in Lausanne in einigem von Bern unterscheiden. Ich wollte von Jasmin wissen, ob dieser Unterscheid auch in ihrer Vertiefung bestehe.

In Analyse politique de la gouvernance publique sind die obligatorischen Kurse auf zwei Semester verteilt. Insgesamt sind drei Vorlesungen à sechs ECTS obligatorisch. Eine Veranstaltung im Herbstsemester, eine im Frühlingssemester und eine ganzjährige Vorlesung. Die Vorlesungen finden in verschiedenen Gebäuden der Uni Lausanne statt (Amphimax und Géopolis). Die MitstudentInnen sind hauptsächlich PolitikwissenschaftlerInnen. Ich war erstaunt, als ich erfuhr, dass neben mir nur zwei weitere Studentinnen vom Master PMP sich für diese Vertiefung entschieden hatten!

Ein grosser Unterschied zum ersten Jahr in Bern sind die vielen schriftlichen Arbeiten und Vorträge. In Bern bildeten diese die Ausnahme.

Die Gebäude sind eher modern. Hier das neue Géopolis

Die Gebäude sind eher modern. Hier das neue Géopolis

Wenn ich meine Vorlesungen an der Uni Lausanne mit jenen am IDHEAP vergleiche, ist wohl der grösste Unterschied, dass in Analyse politique de la gouvernance publique die 18 ECTS auf nur drei Vorlesungen verteilt sind. Man beschäftigt sich länger und vertiefter mit einem Thema. Forschung ist ein Schwerpunkt, zumindest in zwei der drei Fächer. (Das dritte hatte sie zum Zeitpunkt des Interviews noch nicht begonnen). Man verbringt viel Zeit damit, sich in die Literatur einzulesen und in „Sociologie des élités“ muss man selbst eine Forschungsarbeit schreiben, die über den Rahmen der üblichen kleineren Seminararbeiten hinausgeht.

Es ging weiter mit Fragen über die Mittagspause. Jasmin isst gern in der Mensa von Géopolis, und sie sagte dazu, dass das Essen selten wirklich gut sei. Sie ging weiter mit anderen Bemerkungen: Immerhin hat man eine grosse Auswahl. In Bern gab es einfach ein Fleisch- und ein Vegi-Menu. Hier hat man jeden Tag die Auswahl zwischen 4-5 verschiedenen Menus. Und das Personal ist sehr freundlich.

Die Mensa von Géopolis

Die Mensa von Géopolis

Meine Interviewpartnerin hat am Anfang erwähnt, dass sie zwischen Fribourg und Lausanne pendelt. Sie ist nicht die einzige, die sich für diese Option entschieden hat (einige pendeln von Bern).

Ich bat Jasmin, über ihre Erfahrungen als Pendlerin zu berichten: Ich pendle aktuell zwei Mal in der Woche nach Lausanne. Ich habe mir mein Studienplan so zusammengestellt, dass ich an möglichst wenigen Tagen pendeln muss. Das Pendeln empfinde ich nicht als mühsam. Ich bin es mir mehr als gewohnt! Im Zug kann ich frühstücken, die Pflichtliteratur für die Uni lesen, schlafen oder mit anderen Pendlerkollegen ein Schwätzchen halten. Schade ist, dass man im Herbstsemester meistens nicht so viel vom wunderschönen Seepanorama sieht, weil es so spät erst hell wird und so früh schon wieder dunkel.

Die negative Seite vom Pendeln ist aber vielleicht, dass man nur beschränkt von Lausanne profitieren kann. Ich bat Jasmin, mir genauer zu erklären, was sie damit meine:

Nicht in Lausanne wohnen kann schon ein Hindernis sein. In fast jeder Veranstaltung sind Gruppenarbeiten ein Thema und ich kann dann halt nicht „schnell“ für ein Treffen nach Lausanne kommen. Auch profitiert man sicher nicht im gleichen Masse vom Uni-Wechseln. Ich kann weder das Sportangebot der Uni nutzen, noch spontan auf ein Feierabendbier mit meinen MitstudentInnen mitkommen. Der sprachliche und kulturelle Austausch beschränkt sich auf ein Minimum.

Hier noch ein Foto vom Zug aus – das Pendlerdasein

Hier noch ein Foto vom Zug aus – das Pendlerdasein

Wie üblich schliesse ich das Interview mit Empfehlungen für zukünftige Studierende. Jasmin richtet gerade selbst direkt an euch:

Wenn ihr die Freiheit habt, dann sucht euch besser eine Wohnung bei eurem Studienort. Profitiert von der Möglichkeit, fremde Städte und fremde Leute kennenzulernen.

Ich verabschiedete mich von Jasmin, um in meine Vorlesung zu gehen, die in einem anderen Gebäude statt fand als die ihrige. Nicht aber bevor ich mich herzlich bedankt hatte für ihre Verfügbarkeit.

Nächste Woche werde ich wieder auf dem Campus der Universität Lausanne sein. Allerdings wieder am IDHEAP, wo ich Laura treffen werde. Sie wird mir helfen einen Überblick über die Vertiefung Finance and Economics geben. Adieu!

 

 

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