Zielort 6 – Uni Lausanne und Uni Bern – Vertiefungsstudium Droit publique

Heute stelle ich euch noch die letzte Vertiefung vor, die man an der Universität Lausanne absolvieren kann: Droit publique.

Im Herbstsemester 2013 hat aber niemand unter den Studenten von Bern diese Vertiefung gewählt. Um aber trotzdem einen Einblick in diese Vertiefung zu erhalten, habe ich mit Lorenz Böhler gesprochen. Er absolviert seine Vertiefung im öffentlichen Recht an der Uni Bern, macht jedoch die 12 Mobilitätspunkte an der Uni Lausanne. Lorenz ist übrigens auch Präsident unserer Fachschaft.

Meine erste Frage an Lorenz war, weshalb er sich dafür entschieden hat, auch die Vertiefung in Bern zu absolvieren, und nicht wie eigentlich normal, die Vertiefung an einer anderen Uni zu machen.

a.) Es gibt obligatorische Vorlesungen in Lausanne, die im Frühjahrsemester stattfinden. Das war nicht optimal für mich, da ich mich im Frühjahrsemester auf meine Masterarbeit konzentrieren möchte.

b.) In Bern gibt es keine vorgeschriebenen Kurse. Man hat grosse Freiheit. In Lausanne hingegen sind alle 18 obligatorischen ECTS vorgegeben.

c.) Lugano kam nicht in Frage, da an der USI kein öffentliches Recht angeboten wird. Das Fach hat eine wesentliche Rolle gespielt.

d.) Ausserdem kam noch hinzu, dass ich in Aarau arbeite und dadurch Lausanne einfach praktischer ist.

Könntest du mir einen Überblick deiner Fächer des Vertiefungsstudiums geben? Wie viele ECTS machst du wo?

  • 12 Mobilitäts-ECTS mache ich in Lausanne (Kurse aus der Vertiefung Droit publique);
  • 15 ECTS in Bern (Kurse aus der Vertiefung Öffentliches Recht);
  • 5 ECTS an der Uni Fribourg, ermöglicht durch das BENEFRI Programm.

In Lausanne wäre es möglich, auch mehrere ECTS machen. Lorenz hat aber damit die Anforderungen an die Fremdsprachen Kredits erfüllt.

In Bern sind die obligatorischen Vorlesungen (Politische Steuerung und ein Seminar entweder über Motivation und Verhalten im öffentlichen Sektor oder Public Corporate Governance) nur für die Studierenden, die das gesamte Vertiefungsstudium in Bern absolvieren.

Wenn man den Wochenplan von Lorenz betrachtet, wird einem schnell klar, dass viel Organisationaufwand dahinter steckt. Ich fragte ihn, wie er diese etwas kompliziertere Organisation empfunden hatte und was die Herausforderung dabei war:

  • Die Koordination von Vorlesungen an insgesamt drei Universitäten;
  • Die Koordination zwischen Universität und Arbeit;
  • Die Anforderungen der verschiedene Unis zu erfüllen.

Um trotz seines Grundstudiums, das er auch schon in Bern gemacht hatte, in Bern die Vertiefung machen zu können, musste er folgende Anforderungen erfüllen:

1. 12 Mobilität ECTS;

2. 30 ECTS, die nicht der Sprache des erstes Jahres (Deutsch) entspricht;

3. 20 dieser 30 ECTS müssen in einer zweiten Landesprache sein (in seinem Fall in Französisch).

Konkret macht er 32 ECTS: 22 auf Französisch (12 in Lausanne, 10 in Fribourg und Bern) und 10 auf Englisch (in Bern).

Du besuchst ja drei Vorlesungen in Lausanne. Hast du ein paar Bemerkungen über das dortige System?

Die Vorlesung sind mit Masterstudierenden der Uni Lausanne. In der Klasse befinden sich zwischen 20 und 30 Leute.

  • Zwei Vorlesungen von drei sind nicht so gut dokumentiert, d.h. es gibt keine Folien. Die Informationen werden mündlich gegeben. Die persönlichen Notizen sind daher sehr wichtig, so ist mir dann auch aufgefallen, dass die Studierenden wirklich alles aufschreiben, eine Art von Protokoll der Vorlesungen.
  • Es ist gewohnheitsbedürftig.
  • Die Lage der Uni ist sehr schön. Die Vorlesung finden in der Internef statt. In der Banane gibt es eine schöne Bibliothek.
  • Der Weg vom Bahnhof an die Uni ist aber mühsam.
Lorenz (links) und ich auf der Terrasse der Banane

Lorenz (links) und ich auf der Terrasse der Banane

Auch mein heutiger Interviewpartner äussert sich über das Pendeln:

Unter der Woche bin ich ständig unterwegs: Ich wohne in Bern, arbeite in Aarau und für die Uni fahre nach Lausanne und Fribourg. Das daraus resultierende Pendeln ist natürlich sehr zeitaufwändig. Ich finde es aber eine super Erfahrung, eine weitere Uni zu besuchen und eine etwas andere Mentalität kennenzulernen.

Gegen Ende des Interviews fragte ich Lorenz nach seinen Empfehlungen für zukünftige Studierende:

  • Die Vertiefung soll aufgrund fachlicher Interessen und nicht nach geographischen Auswahlkriterien erfolgen;
  • Die Jus Vertiefung in Bern ermöglicht die meiste Freiheit. Die Auswahl der Kurse ist gross, besonders wenn man bedenkt, dass man mit Kursen in Lausanne, und dank BENEFRI auch mit Kursen in Fribourg kombinieren kann. Das Profil heisst Droit publique, aber es gibt so viele Möglichkeiten, dass man im Prinzip seine individuelle Spezialisierung schaffen kann.

Zum Schluss noch die altbekannte Frage nach einem Satz, der Lorenz’s Erfahrung des Vertiefungsstudiums zusammenfasst:

Die Spezialisierung im öffentlichen Recht ermöglicht es mir, Vorlesungen in meinem bevorzugten Rechtsgebiet zu besuchen und gleichzeitig eine zweite Landesprache zu vertiefen.

Mit diesem Interview schliesse ich die Serie der Interviews über die Spezialisierungen an unseren zwei Partneruniversitäten Lausanne und Lugano. Nach der Ferien werde ich aus Bern berichten und euch die Möglichkeiten vorstellen, die sich an unserer „Heimatuniversität“ bieten.

Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Zielort 5 – IDHEAP Lausanne – Vertiefungsstudium Finance and Economics

Das dritte Vertiefungsstudium in Lausanne, Finance and Economics, wird wiederum am IDHEAP angeboten. Obwohl ich eigentlich geplant hatte, das Interview mit Laura Kerstjens in Lausanne zu führen, trafen wir uns unerwartet an der Uni S an einem kalten Novembernachmittag. Zuerst bestellten wir uns eine heisse Tasse Tee, um uns aufzuwärmen.

Das Interview startete mit der üblichen Frage über die Gründe zur Wahl von Lausanne.

Da ich in Bern arbeite, wollte ich mein Vertiefungsstudium nicht zu weit weg von Bern absolvieren. Und Lausanne ist natürlich eine wunderschöne Stadt.

Natürlich interessierte ich mich auch dafür, weshalb Laura sich für Finance and Economics entschieden hat.

Ich hatte ehrlich gesagt etwas Angst, diese Vertiefung zu wählen, da ich mich nun mal eher für öffentliches Recht interessiere. Jedoch wollte ich mich dieser Herausforderung stellen. Zudem sind die meisten Fächer auf Englisch zu absolvieren, was mir im Bereich Ökonomie zu Gute kam. Ich bin nun froh, dass ich diese Vertiefung gewählt habe, da sie mir nebst der rechtlichen und politischen auch eine vertiefte ökonomische Perspektive ermöglicht. Zudem werden so meine statistischen Kenntnisse, die ich schon lange nicht mehr gebraucht habe, etwas aufgefrischt. 🙂

Zahlreiche Informationen über die Stadt Lausanne gab es schon in den zwei vorherigen Interviews. Lauras Bericht über die Art und Weise des Studiums in Lausanne bestätigt die Aussagen ihrer Kolleginnen:

  • Der Master PMP in Lausanne hat ein Gebäude für sich selbst. Man hat viel Platz und studiert in einem angenehmen Umfeld. Es werden auch Kollisionen mit anderen Studiengängen vermieden;
  • Die Klassen sind nicht sehr gross, pro Vorlesung sind es jeweils nur ca. 20 Studenten.
  • Die Vorlesungstage sind jeweils sehr intensiv. Es gibt Blockvorlesungen, die ganze Vor- oder Nachmittage dauern;
  • Die Kurse sind sehr arbeitsintensiv;
  • Meistens sind die Vorlesungen sehr interaktiv. In der Vertiefung Finance and Economics werden sie auf Englisch angeboten (nur eine obligatorische Vorlesung ist auf Französisch).

Nach den allgemeinen Informationen, wollte ich noch mehr Details über die Vertiefung und die Semesterstruktur erfahren.

Ich pendle jeweils zwei Tage in der Woche (Montag und Mittwoch) nach Lausanne, einen halben Tag nach Fribourg und zwei Vorlesungen besuche ich in Bern (eine findet im Frühlingssemester statt). In Lausanne absolviert Laura die 18 obligatorischen ECTS, in Fribourg und Bern handelt es sich um Wahlkurse, die auf Englisch angeboten werden. Die ist wichtig, da man ja insgesamt 30 ECTS in einer anderen Landessprache absolvieren muss.

Viele Studierende interessieren sich für die Art der Leistungsnachwiese. Daher fragte ich Laura wie die Evaluierung der Kurse erfolgt. Sie erklärte mir, dass es drei Arten gebe:

  • Kombination aus Verfassen einer Arbeit und Präsentation;
  • Kombination aus Präsentation und Prüfung;
  • Nur die Prüfung (z.T. mündlich).

Nun kamen wir zur Pendlerthematik. Hier einige Bemerkungen meiner Interviewpartnerin:

Es (das Pendeln) ist anstrengend, aber ich freue mich immer: Wir sind eine gute Gruppe, wir haben viel Spass, und wir sprechen viel, vor allem am Abend. Und wenn in einer Vorlesung Unklarheiten bestehen, können wir dies wunderbar im Zug besprechen. Ich habe den Eindruck, es sei eine Art „Stammtisch“.

Ein Bild vom Zug aus

Ein Bild vom Zug aus

Fast zuletzt, die Empfehlungen für zukünftige Studierende:

  1. Wenn es das Ziel ist, die Französischkenntnisse aufzufrischen, profitiert man mehr, wenn man in Lausanne wohnt;
  2. Man muss nicht unbedingt eine WG oder ein Zimmer mieten. Ein Kollege von uns, Roger Siegenthaler, wohnt drei Nächte die Woche in einem Hotel, mit welchem er spezielle Konditionen ausgehandelt.
  3. Bei Applied Econometrics, wenn man keine statistischen Grundkenntnisse hat, sollte man unbedingt die Übungen machen und die Bücher als Vorbereitung für die Vorlesung lesen. Dann kommt es super.
  4. Die Vorlesung, die ich in Fribourg am Dienstagmorgen besuche (Tax Competition and Fiscal Federalism) ist sehr zu empfehlen, da die Materie eher anspruchsvoll ist, das Thema in der Vorlesung sehr spannend gestaltet wird, und es sich um aktuelle nationale Probleme handelt.

Am Ende der Interviews bat ich Laura, ihre Erfahrung in dieser Vertiefung in einem Satz zu beschrieben: Intensiv / herausfordernd bezüglich Pendeln / Möglichkeit, auch die ökonomische Seite der Verwaltungswissenschaften vertieft kennenzulernen.

Eindrückliche Abendstimmung im Bahnhof Lausanne

Eindrückliche Abendstimmung im Bahnhof Lausanne

Das Interview mit Laura war zu Ende und auch unsere Teetassen sind jetzt leer. Aufgewärmt und zufrieden verabschiedeten wir uns voneinander.

Nächste Woche werde ich noch ein letztes Mal vom Campus in Lausanne berichten, mit Fokus auf die Vertiefung Droit publique. Als Interviewpartner wird mir Lorenz Red and Antwort stehen. A la prochaine!